
Pressemitteilung des LER: Rettet die Durchlässigkeit unseres Schulsystems!
Pressemitteilung LER vom 29.04.2026
Das Kultusministerium hat Entwürfe für neue Grundsatzerlasse für die Schulformen Real-, Haupt- und Oberschulen in die Anhörung gebracht. Der Landeselternrat betrachtet die weitreichenden Änderungsvorschläge mit gemischten Gefühlen.
Die Entwürfe erwecken den Eindruck, als sollen die Unterschiede zwischen den drei Schulformen bewusst verwischt werden. Die Beschreibungen der Aufgaben und Ziele der einzelnen Schulformen verschwinden komplett aus den Erlassen – wie schade, dass die neuen Erlasse nicht für eine stärkere Profilierung der Schulformen genutzt werden!
Wir erkennen eine Zuschreibung der drei Schulformen als „Problemschulen“, also als Schulen, deren Schülerinnen und Schüler Gefahr laufen gar keinen Abschluss zu bekommen. Doch während das Kultusministerium die bestehenden Schwierigkeiten an diesen Schulen bei den Schülerinnen und Schülern (brauchen Förderunterricht) sowie im Unterrichtssystem (braucht offene Arbeitsformen) erkennt, sind wir der Meinung, dass wir endlich die Frage stellen müssen, wie Lehrkräfte besser auf die Herausforderungen im Klassenzimmer vorbereitet und unterstützt werden können!
Christine Winter, Vorstandsmitglied des Landeselternrates sagt: „Unsere Kinder an Haupt- Real- und Oberschulen sind toll! Wir wünschen uns Schulen, in denen der Fokus nicht immer nur auf die Defizite, sondern auf die Begabungen und Talente unserer Kinder gerichtet wird!“
Doch es stimmt ja tatsächlich: In Niedersachsen haben wir große Probleme mit dem Erreichen der Basiskompetenzen in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch – gerade an diesen Schulformen. Die geplanten Lernstandserhebungen und die verpflichtende Förderung in Kernkompetenzen begrüßen wir deshalb ausdrücklich. Doch gleichzeitig sollen Schulen künftig die Anzahl der Unterrichtsstunden in den Fächern Deutsch und Mathematik in der Kontingentstundentafel kürzen dürfen. Das ist ein Widerspruch und wir fordern Nachbesserung an dieser Stelle. Ausgenommen von solchen Stunden-Kürzungen sind lediglich die Fächer Sport, Religion und Informatik. Die durch Kürzungen gewonnenen Stunden sollen für offene Arbeitsformen, Wochenplanarbeit, Freiarbeit und Selbstlernzeiten genutzt werden. Schülerinnen und Schüler sollen eigene Lernschwerpunkte wählen und diese weitgehend eigenständig erarbeiten. Das klingt modern – wirft aber eine unbequeme Frage auf: Soll hier ein politischer Systemwechsel vollzogen werden, oder dient dieses Modell vor allem dazu, den eklatanten Lehrkräftemangel zu kaschieren?
Mit großer Sorge sehen wir, dass durch die geplanten Änderungen auch die Durchlässigkeit unseres Schulsystems weiter ausgehöhlt wird. Wenn man versucht, die Schwierigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler im MINT Bereich dadurch anzugehen, dass die Fächer Physik, Chemie und Biologie zu einem einzigen Fach „Naturwissenschaften“ zusammengeschmolzen werden, dann fragen wir uns schon, wie ein Übergang zwischen den verschiedenen Schulformen, insbesondere auch zum Gymnasium zu jedem Zeitpunkt der Sekundarstufe I noch gelingen soll?
Statt Real-, Haupt- und Oberschulen zu stärken und als echte, qualitativ hochwertige Alternative zu Gymnasium und Gesamtschule zu profilieren, erleben wir das Gegenteil: Diese Schulen werden auf das Etikett „Brennpunkt“ festgelegt – und ihr Niveau weiter abgesenkt. Das ist der falsche Weg. Der Landeselternrat fordert eine Schulpolitik, die alle Schulformen stärkt, Übergänge offen hält und Chancengleichheit ernst nimmt.

